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OC: Captain Abraham Ford (Dead Space) by SevenStepsAway
OC: Captain Abraham Ford (Dead Space)
 Einer der Protagonisten zu meiner Dead Space-FanFiction "Nimrod": Abraham "Abe" Ford, Captain der USM Nimrod. Kurze Skizze, mit GIMP schnell eingefaerbt.

One of the Main Protagonists od mz Dead Space Fanfiction "Nimrod": Abraham "Abe" Ford, Captain of the destroyer USM Nimrod. A short sketch i couloured in GIMP.
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(Contains: violence/gore and strong language)
Kapitel II: Augen

Der Transportschlitten der USM Nimrod war selbst für ein Militärschiff unbequem. Es gab weder Bänke noch Sitze, die ganze Fahrt über musste man stehen - und da fast jede Station irgendwelche Mechaniker und Soldaten den Schlitten entweder betraten oder verließen, zog sich der Trip auch noch unnötig in die Länge. Der endlose Smooth Jazz, den eine blechern klingende Musikanlage auf die Passagiere beschallte, hob Noahs Stimmung auch nicht an. Nachdem bereits zum vierten Mal das gleiche schlechte Plastikgedudel erklungen war verlor er schliesslich die Nerven und wandte sich direkt an Dr. Keller: „Wie weit ist es noch bis zur Brücke?“
Sie nahm in kaum war. Doch obwohl sie dem Tablet in ihrer Hand mehr Beachtung schenkte als ihm und ihrer unmittelbaren Umgebung, antwortete sie ihm: „Noch zwei Stationen. Dann können sie ihren Bruder endlich mit Fragen löchern.“ Der Laut, den Noah von sich gab, war eine Mischung aus Grummeln und Pfeifen. Er mochte dieses Schiff nicht. Obwohl er vom ersten Grundgerüst an am Bau der Nimrod beteiligt gewesen war, konnte er dem Zerstörer nichts abgewinnen. Vielleicht einfach nur weil es ein Militärschiff war, vielleicht weil seine Größe einfach in keinem Verhältnis zum eigentlichen Zweck stand. Obwohl, der Zweck dieses Kreuzers war ja eigentlich für die EDF, also die Earth Defence Forces, einen auf dicke Hose zu machen. Und das war gelungen.
Knirschend hielt der Transportschlitten, und die Schale, in der die Passagiere standen, wippte bedrohlich. Das war die EDF – zuerst ein 800 Meter langes Trägerschiff bauen wollen und dann das billigste Monorailsystem einbauen das man finden konnte. Noah war zwar selbst noch nie auf einem Planetcracker gewesen, aber er war sich fast sicher, das selbst die uralte USG Ishimura bessere Transportwege hatte als dieser schwebende Sarg. Nein, er war wirklich nicht gerne hier, und er freute sich schon auf den Moment, in dem er entweder wieder festen Boden unter den Füßen haben oder sich wieder in die Stasekapsel legen würde.
Erneut hielt der Schlitten und Noah musste sich an der Außenwand des Transporters festhalten, um nicht hinzufallen. Der Smooth Jazz versickerte wie Wasser im Sand und eine weiche Frauenstimme verkündete: „Endstation, Brücke.“
„Unser Stichwort.“ Verkündete Dr. Keller noch unnötigerweise, dann traten sie aus der Schale des Transportschlittens. Die Türen zur Brücke der Nimrod öffneten sich automatisch, und gaben den Blick frei auf eine emsig wieselnde Brueckenbesatzung von gerade einmal 8 Leuten, allesamt in Militäruniform.
„Viel Spaß mit ihrem Bruder.“, Keller lächelte wieder so hämisch, wie sie es vorhin im Gang vor der Stasestation gemacht hatte und Noah grinste noch frecher zurück.
„Werde ich haben.“
Er schritt in den großen Raum mit den vielen Displays und räusperte sich hörbar, wie vor einer langen Rede: „Alle mal herhören!“, verkündete er und konnte fast hören, wie sich Dr. Keller mit der flachen Hand ins Gesicht schlug, „Wer von euch EDF-Heinis kann mir sagen, wo ich Abe Ford finde?“
Stille trat ein, alle Augen im Raum waren auf ihn gerichtet. „Niemand? Er müsste ein Stück kleiner sein als ich, braune Augen, lockige Haare, recht hässlich will ich meinen. Kennt den hier jemand?“
„A-aber der Captain i-ist...“, begann einer der Lotsen in seiner Nähe zu stottern.
„Ist was?“ unterbrach ihn Noah. „Der Captain ist was?“
„Der Captain steht neben dir“, ertönte eine strenge Stimme zu seiner Linken.
Noah drehte sich um. Da stand er: mit kurzgeschorenen Haaren, in Militärsuit, das Abzeichen der USM Nimrod und verschiedene Orden der EDF auf der Brust – aber immer noch der gleiche wie vor zwei Jahren. Einen Moment lang herrschte Stille. Eisige Blicke schossen zwischen den zwei Brüdern hin und her. Ihre Mienen waren wie aus Stein gemeißelt. Und dann – wie auf ein geheimes Zeichen hin – fingen sie an zu grinsen.
„Ahh, komm her, Bro!“ rief Abraham Ford aus und umarmte seinen Bruder. „Es ist zu lang her!“
„Du hast gut reden, Abe. Immerhin warst du der, der mich aufgeweckt hat.“
„Komm schon kleiner Bruder. Wir haben uns viel zu erzählen.“


So viel war es dann doch nicht. Wie sich in dem kurzen Gespräch zwischen den Brüdern ergab, war Abraham noch nicht lange Captain. Um genau zu sein, war das seine erste Mission im neuen Amt.
„Und aus diesem Grund habe ich dich aufgeweckt, Noah.“
„Etwa um mir die Nase lang zu machen?“, scherzte der etwas dümmlich. „Du weißt, dass ich nicht allzu viel von der EDF halte.“ Abe winkte ab.
„Nein, nein, nicht deswegen. Ich...“, er holte Luft, „Ich wollte bei meiner ersten richtigen Mission jemanden dabei haben, der mir etwas bedeutet. Mum und Dad sind schon lange nicht mehr und seit Jenny Schluss gemacht hat...na ja, habe ich niemanden mehr außer dich.“
„Wie nett formuliert.“ Noah betrachtete seinen Bruder. Es war seltsam, ihn so alt zu sehen. Sicher, es waren nur zwei Jahre, aber ihm kam es so vor, als ob Abe um Jahrzehnte gealtert wäre. Er war jetzt vierzig und hatte erste Geheimratsecken und graue Haare, seine Augen waren müde und abgespannt. Für Noah war es einfach zu erkennen, dass sein Bro eine schwere Zeit hinter sich hatte. Es half nichts, er musste der Sache auf den Grund gehen.
„Abe, was ist los?“
„Wie meinst du das?“
„Ach bitte! Du weckst mich nach zwei Jahren aus der Stase auf, ich erfahre dass du Captain bist und wir in ein paar Minuten mit der ganzen Nimrod-Flotte auf Shockkurs gehen. Und ich weiß immer noch nicht, wohin! Und du, du siehst so...kaputt aus!“
„Eine Trennung geht eben an die Nieren...“
„BULLSHIT!“ Einige umstehende Offiziere drehten sich zu ihnen um und taxierten Noah mit verachtenden Blicken. Er senkte die Stimme.
„Jenny war dir nie wirklich wichtig, das war dir immer nur die Arbeit, also erzähl mir nichts! Als ich mich vor zwei Jahren schlafen gelegt habe, war ich auf der Titan Station, der Sprawl! Warum hast du mich dort weggeholt? Und warum hast du mich aufgeweckt? Und wieso zur Hölle siehst du aus wie ein verfickter Rentner?“ Noah übertrieb, aber er wusste, das Abe ihn verstand. Sein Bruder blieb einige Zeit ruhig. Erst nach einer ganzen Weile fing er an, zu sprechen:
„Die Titan Station wurde zerstört.“
„Was?“ fragte Noah ungläubig. „Zerstört? Wie?“
„Offiziell war es ein Terroranschlag... Separatisten haben sich am Hauptreaktor zu schaffen gemacht und die Sprawl in die Luft gejagt.“
„Und die inoffizielle Version?“
Abraham holte tief Luft. „Noah...weißt du, was ein Marker ist?“
Er überlegte kurz. „Ja. Irgendso ein Artefakt, das die Spinner von Unitology anbeten. Und?“
„Es ist real.“ Abes Augen weit geöffnet, doch sie sahen Noah nicht an. Sie blickten irgendwo in die Ferne. Und in ihnen war das blanke Entsetzen geschrieben.
„Sie haben einen Marker auf der Titan Station gebaut. Ich weiß nicht was passiert ist, aber ihnen muss ein Fehler unterlaufen sein. Ich war als Security Guard auf der Sprawl stationiert, erinnerst du dich? Ich habe im Namen von EarthGov aufgepasst, dass niemand den Bau sabotiert. Ich hatte ja keine Ahnung... Sobald der Marker fertig war, ging alles ganz schnell. Die Ingenieure, die Offiziere, die Bewohner...alle wurden wahnsinnig. Sie sind aufeinander losgegangen. Und wenn sie gestorben sind, dann haben sie sich...verwandelt...oh Gott Noah, es war die Hölle! Sie wurden zu Monstern, riesigen, abscheulichen Monstern!“
Noah blieb während der ganzen Erzählung still. Er wusste nicht ob sein Bruder die Wahrheit erzählte oder einfach den Verstand verloren hatte, aber eines war sicher: er brauchte Hilfe.
„Was ist dann passiert?“
„Mein Captain...ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie ihm der Kopf abgerissen wurde. Abgerissen!“
„Abe!“
„Tut mir leid, ich...jedenfalls, sobald ich kapierte was abging, bin ich geflohen. Ich habe mir das größte greifbare Kaliber geschnappt und mich zu dir durchgeschlagen. Dr. Keller und Saoirse haben sich in der Stasekammer verbarrikadiert, wir sind dann gemeinsam mit deiner Kapsel zu einem Shuttle und so schnell von der Sprawl weg wie möglich. Wir hatten gerade Kurs auf die Erde gesetzt, als die Station explodierte, die Schockwelle hat uns fast den Gar ausgemacht, glaub mir. Wahrscheinlich irgendein Notfallprotokoll oder jemand hat endlich kapiert, dass man diesen Horror eindämmen musste.“
Noah wusste nicht, was er sagen sollte. Er glaubte seinem Bruder. Abraham hatte ihn noch nie angelogen, und wenn es einen Menschen auf der Welt gab dem er bedingungslos vertraute, dann war es sein älterer Bruder. Nur war das, was er ihm gerade erzählte so...surreal.
„Du hast mir das Leben gerettet, Bro“
„Keine Ursache.“
„Doch. Du hast was gut bei mir.“
Eine Offizierin – Noah machte sich nicht die Mühe nach ihrem Rang zu sehen – unterbrach ihre Unterhaltung. „Captain. Wir sind soweit.“
Abraham fasste sich wieder. „Gut, geben sie den Jungs aus dem Maschinenraum Bescheid, das wir auf Shockkurs gehen. Eine Minute bis zum Takeoff.
„Entschuldigung...“ meldete sich Noah zu Wort.
„Und machen sie unterdessen alles klar, was wir verschießen können. Ich will diese Kerle binnen drei Minuten kapitulieren sehen.“
„HEY!“ Noah wurde laut, achtete diesmal aber darauf, nicht unhöflich oder respektlos zu klingen. „Darf ich auch erfahren wo es hingeht?“
Abrahams Stimme war ernst, aber sein Bruder meinte, dass eine gewisse grimmige Vorfreude darin mitschwang. „Du kannst deine Schuld bei mir gleich begleichen. Ich muss mich jetzt um das Schiff kümmern...Saorise!“
Die Ärztin tauchte so plötzlich neben ihnen auf wie sie eben bei dem Gespräch der Brüder verschwunden war. „Captain?“
„Erklären sie meinem kleinen Bruder alles. Ich autorisiere sie hiermit über sämtliche Details dieser Mission zu sprechen, sorgen sie dafür, dass er auf einem guten Stand ist.“
„Captain.“ Sie salutierte.
„Gut, abtreten. Beide.“


„Wir wollen WAS?“ Noah schrie fast vor Ungläubigkeit.
„Sie haben mich schon verstanden. Wir reisen nach Drogis IV, finden den dortigen Marker und zerstören ihn.“
„Aber das ist Wahnsinn! Warum gerade dorthin? Und warum zur Hölle bin ich mit von der Partie?“
„Drogis ist die Teststätte der Weltregierung für Marker. Es ist der perfekte Ort dafür: Abgelegen, unbekannt, und ohne ein ordentliches Schiff quasi nicht zu erreichen. Ihr Bruder war im letzten Jahr wie besessen davon, diesen ort zu finden und zu zerstören. Jetzt haben wir die Gelegenheit die Markerplage ein für alle Mal zu beenden.“
„Aber warum mit mir?“
„Nunja...“ Dr. Kellers Blick wanderte in Richtung Boden. Und wie ihr Blick senkte sich auch Noahs Bauchgefühl.
„Moment...aber natürlich, warum habe ich mir das nicht gleich gedacht! Diese ganze Mission ist illegal, nicht war? EarthGov würde niemals zulassen, dass man ihre Marker zerstört und wenn die Unitologen davon erfahren haben wir erst richtig Stress am Hals! Habe ich Recht?“ Keller nickte.
„Fuck. FUCK!“ Noah massierte sich die Schläfen und ging im Raum auf und ab. Das durfte alles nicht war sein... Vor einer Stunde hatte er noch halbtot in seiner Stasekapsel gelegen und jetzt war er Mitglied eines illegalen Himmelfahrtskommandos.
„Was hat sich mein Bruder eigentlich dabei gedacht, hm? Selbst wenn wir den Marker finden, wenn EarthGov herausfindet was wir tun wollen sind wir erledigt. Ab dem Sprung nach Drogis IV sind wir Freiwild! Sie werden uns suchen, sie werden uns finden und sie werden uns töten!“
„Genau deshalb brauchen wir sie.“
„Oh bitte, die Erklärung will ich hören!“
„Es ist so...diese Mission besteht fast ausschließlich aus Überlebenden des Vorfalls auf der Sprawl. Wir sind heillos unterbesetzt und brauchen jeden dem wir vertrauen können. Außerdem sind sie wegen ihrer Krankheit...“
„So gut wie tot? BULLSHIT!“ Er spie die Worte quasi aus. Dieses mal war es ihm egal, dass sich die halbe Brücke zu ihm umdrehte. „Meinen sie, nur weil meine Lebenserwartung bei 40 Jahren liegt kann ich eher darauf verzichten. Fehlanzeige, ich hänge an meinen Jahren!“
„Das meinte ich nicht!“ Auch Saoirse versuchte laut zu werden, aber ihre Stimme brach und es wurde ein Krächzen daraus. „Sie haben Morbus Wilson, Noah, das bedeutet in ihrem Körper setzt sich aufgrund eines Stoffwechselfehlers Kupfer ab...“
„Danke, so weit war ich schon“
„Halten sie doch mal endlich ihre Klappe! Das Kupfer setzt sich in Leber, Augen, Hirn und dem zentralen Nervensystem ab, deshalb haben wir sie auch erst so spät aus der Stase geholt, um Schäden zu vermeiden. Ihre Therapie hat nicht angeschlagen aber wir glauben...“, sie senkte sie Stimme, „wir glauben, das Kupfer könnte sie vor den geistigen Beeinflussungen des Markers schützen. Sie immun machen gegen das, was er mit Menschen normalerweise anstellt.“
In Noahs Kopf ratterte es. „Aber sie haben mir vorhin erzählt, der Marker wäre unglaublich stark. Das er mit der Zeit einen Weg finden würde, sich in mein Hirn zu fräsen.“
„Das ist der zweite Punkt. Als mein Vater und ich mich in der Stasekammer verbarrikadiert hatten und auf ihren Bruder warteten, fiel uns auf, dass ihre Kupferwerte rapide sanken! Verstehen sie, Noah? Der Marker kann sie heilen!“
„Das ist doch lächerlich. Hören sie sich eigentlich selbst zu?“
„Ich weiß wie das klingt.“ Saoirse sah ihn direkt an, dieses mal etwas zärtlicher. Ihre großen blauen Augen blickten direkt in seine gelben, abgespannten. Sie hat wirklich schöne Augen, dachte sich Noah.
„Aber es ist unsere einzige Hoffnung. Sie sind unsere einzige Hoffnung.“ Sie hielt den Blickkontakt aufrecht. „Sind sie dabei? Bitte?“
Schließlich war er es, der die Verbindung brach. „Ich habe ja keine Wahl, oder?“
„Nein.“
„Dann bin ich auf dem Maschinendeck und sehe zu wie ich helfen kann. Dr. Keller, richten sie meinem Bruder aus, dass er eine verräterische Sau ist.“
Ein Lächeln huschte über ihre Lippen, doch dieses Mal war es nicht von der hämischen Sorte. Sie freute sich wirklich.
„Und Noah?“ rief sie ihm noch hinterher, bevor er im Transportschlitten verschwand. „Nenn` mich bitte nicht Dr. Keller. Saoirse ist mir lieber.“
Er schenkte ihr sein schönstes Lächeln und betätigte das Transportinterface. Der Schlitten setzte sich mit einem lauten Quietschen in Bewegung und der hohle Smooth Jazz begann erneut. Als Noah und die nervtötende Musik endlich außer Blick- und Hörweite war, musste sie erschreckt feststellen, dass ihre Wangen gerötet waren.


„Und?“, fragte Captain Ford, ohne den Blick von der Kontrollleiste des Schiffes zu nehmen. „Kommt er mit?“
„Er ist...aufgebracht. Um es einfach auszudrücken.“
„Sind wir das nicht alle?“ Auf jemanden, der seine Geschichte nicht kannte, hätte er in diesem Moment gelangweilt gewirkt. Doch für Saoirse war er das nicht. Sie konnte erkennen, dass die müde umherhuschenden Augen nur Maskerade waren. Ein Schildfront, hinter der er seine Angst verbarg. Vor Markern, vor wandelnden Leichen, vor...Schuld.
Ja das sind wir, dachte sie sich dabei, irgendwie sind wir alle aufgebracht. Jeder auf seine eigene Weise.
„Dr. Keller?“ riss sie der Captain aus ihren Überlegungen.
„Ja, Sir?“
„Ist ihnen eigentlich aufgefallen, dass mein Bruder immer zu ihnen rüberlinst, wenn er von ihnen spricht?“ Saoirses Wangen wurden fast augenblicklich rot. In ihr wallte eine Art kindische Freude auf, die sie zuletzt verspürt hatte als sie ihrem Exfreund den Laufpass gegeben hatte. „N-Nein, Sir. Ist es nicht.“
„Doch ist es. Ich müsste nicht einmal ihre RIG hacken und ihren Blutdruck checken um mich dessen zu versichern.“ Er sah sie an und für einen Moment verschwand die Maske des routinierten Flight Captain. Die Sorge in seinem Inneren brach hindurch wie ein Sonnenstrahl durch Gewitterwolken.
„Ich freue mich für sie beide. Das sie sich mögen. Aber bitte nicht während dieser Mission, okay?“
„Sir?“ Ihre Stimme war so verwirrt wie sie sich fühlte. „Wie meinen?“
Er seufzte und schloss sämtliche Dialogfenster seiner RIG und des Interface vor ihm. Er sah in diesem Moment sehr, sehr müde aus.
„Wir sind unterwegs einen Marker zu finden und zu zerstören. Wenn irgendetwas schief geht... soll keiner von ihnen unnötigerweise leiden. Was ich Noah eben nicht erzählt habe als wir uns unterhielten...was ich noch niemandem auf dieser Welt anvertraut habe... ist, das ich mich nie von Jenny getrennt habe. Ich habe sie sterben sehen, Dr. Keller. Sie wurde auf der Sprawl regelrecht zerfleischt, vor meinen Augen.“
Saoirse gab hinter ihm ein keuchendes Geräusch von sich.
„Es war eines dieser...Dinger. Die von dem Marker erschaffen werden. Sie ziehen einem die Haut regelrecht ab. Und innerhalb einer halben Minute war sie eine von denen. Ich war derjenige, der ihr damals den Gnadenschuss gab.“
„Oh Gott, Captain, warum haben sie mir nie...“
„...davon erzählt? Weil ich es nicht konnte. Ich konnte ihren Tod nicht verhindern, da war diese...Glaswand...wie auch immer, ich kann aber verhindern, dass ihnen das gleiche wie mir passiert. Also bitte vermeiden sie es, Noah allzu nahe zu kommen. Jedenfalls bis wir wissen, ob wir es alle überleben, was wir hier vorhaben.“
Er sah sie an. Seine Augen waren braun, ganz anders als die Noahs. Doch es war nicht das abgelagerte Kupfer der Krankheit, dass Abraham von seinem Bruder unterschied – es war der Blick. Der eine war schelmisch und sanft, seiner war hart und entschlossen.
„Versprochen?“
„Versprochen.“
„Gut. Gut...wir erreichen gleich die Umlaufbahn von Drogis IV, gehen sie auf sie Krankenstation und machen sie sich bereit. Uns stehen ein paar sehr blutige Stunden bevor.“
„Captain.“
„Doc.“
Sie nickte und verschwand. Abraham atmete tief durch und massierte sich die Augen. Das hatte er mit seinem Bruder gemeinsam: Wenn sie gestresst waren, ließen die Kopfschmerzen nie lange auf sich warten. Er ging zum Frontfenster und blickte in das blaue Licht des Shocktunnels.


„Weaver? Wie lange noch bis zur Ankunft?“
„Wir werden jeden Moment eintreffen. Austrittsbake ist gesichert, Deshock in 32...31..30...“
Abraham merkte, wie sich überall an seinem Körper gleichzeitig eine Gänsehaut ausbreitete.
„13...12...11...“
Er besah sich seine Waffe. Ein modifiziertes Plasmagewehr. Das gleiche, welches ihm auf der Sprawl das Leben gerettet hatte. Das selbe, mit dem er Jenny erschossen hatte.
„5...4...3...2...1...Und wir sind da!“
Das blaue Licht des Shocktunnels wurde heller und heller, wurde zu einem Strahlen, das ihn blendete...und dann sah er ihn. Drogis IV. Eine riesige, rote Kugel mit etwas Weiß an den Polen.
„Die Tochterschiffe der Nimrod, die `USDM Croatoan` und die `USDM Mettle` sind hinter uns angekommen, Sir! Die Flotte ist vollzählig!“
„Gut. Starten sie die Sensoren. Wenn irgendwo auf diesem Planeten ein Marker ist, werden wir ihn finden. Ich gebe der Croatoan und der Mettle Bescheid, dass...“
Weiter kam er nicht, denn auf einmal flackerte vor seiner Brust das blaue Viereck einer Videoübertragung auf. Er sah sich um, auch die anderen Crewmitglieder bekamen eine Nachricht. Das blau-weiße Rauschen wurde allmählich zu einem Gesicht. Es war mittleren Alters und wettergegerbt, der Mann hatte ein markantes Kinn, zudem dunkle, strohige Haare und eine schwarze, klobige Brille. Abraham wusste instinktiv, dass dieses Gesicht Ärger bedeutete.
„Wer sind sie?“, fragte der Captain der USM Nimrod schlicht und einfach. Der Mann auf dem Video lächelte grausam.
„Mein Name ist Danik. Jacob Danik. Altman sei gepriesen.“
Dead Space: Nimrod - Ch.2
Part 2 meiner kleinern Horror-Story, ein alter Bekannter hat seinen Auftritt ;)
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Prolog


Irgendwo in der Umlaufbahn des Mars, das Jahr 2512 - Ein Jahr nach der Zerstörung der Titan Station

Wenn man in Stase versetzt ist, träumt man nicht, man ist einfach nur weg vom Fenster. Beim Erwachen dann fühlt man zuallererst das, was man am wenigsten vermisst hat: Kälte und Kopfschmerzen. Es fühlte sich an, als ob ein Zwerg in seinem Kopf säße und seine Schädelinnenseite mit Hammer und Meißel bearbeitete. Und gerade als er dachte dieses Arschloch würde endlich nachlassen, leuchtete ihm ein heller Strahl durch die geschlossenen Augenlieder. Beschissener Zwerg. Beschissene Ärzte.
„Noah? Sind sie wach?“
„Hmrm!“ kam es zurück. Der Zwerg in seinem Schädel griff zum Schlaghammer.
„Dann stehen sie auf. Die Arbeit ruft!“
„Scheiß auf die Arbeit...“ murmelte Noah in seinen nicht vorhandenen Bart, doch er tat wie ihm geheißen. Er wunderte sich gar nicht erst, dass er in einer Stasiskapsel lag, schließlich hatte er nicht zum ersten Mal geschlafen. Nur über die Umgebung wunderte er sich.
„Wo bin ich hier?“ fragte er, und zog sich einen Infusionsschlauch aus dem rechten Unterarm. Auf einem Schiff oder einer Station, das war schon mal klar. Kein Schlafraum auf festem Grund war so steril und seltsam gebaut wie sie es im All waren. Und das wiederum konnte nur heißen, dass er sich auf einem größeren Kreuzer befand, denn Schlafkapseln hatte nichts, was kleiner als 500 Meter war.
„Ist das die USM Nimrod?“ fuhr er fort, bevor die Ärztin antworten konnte. Ihr erstauntes Gesicht sagte ihm, dass er Recht hatte.
„Woher...?“
„Ein Schuss ins Blaue, nichts weiter.“ Er betrachtete die Frau. Sie war jung, etwa Mitte Zwanzig und von nicht zu unterschätzender Schönheit. Ihre roten Haare hatte sie sich zu zwei Zöpfen geflochten, die sich auf der Höhe ihrer Ohren zu einem einzigen Strang vereinten und dann über ihre rechte Schulter fielen. Das war schon einmal ein gutes Zeichen. Nicht, weil Noah für so etwas ein Fetisch gehabt hätte, sondern weil dieser Frisurentrend gerade in Mode gekommen war, als man ihn in Stasis versetzt hatte. Er konnte also nicht allzu lange geschlafen haben – das hoffte er jedenfalls. Er wollte gerade die Frage der Fragen stellen, doch dieses Mal war es die Doktorin, die ihm zuvorkam:
„Zwei Jahre. Und vier Monate und drei Wochen. Sie sind 36 Jahre alt, Mr. Ford, herzlichen Glückwunsch!“
Noah ging zum nächstbesten Waschbecken und betrachtete sich. Kurze schwarze Haare, Bartstoppeln, sportlicher Körperbau. Durch die Atrophie während der Stase hatte er wie beim letzten Mal deutlich an Gewicht verloren, aber er beschwerte sich auch nicht. Als er sich schlafen gelegt hatte besaß er einen 53er Bizeps und einen Rettungsring um die Hüften, jetzt war er zwar nicht mehr ganz so muskulös, aber dafür ohne ein Kilo zu viel auf den Rippen. Insgesamt sah er keinen Tag älter aus als sein eigentliches, sein biologisches Alter – nämlich 29 Jahre.
Nur seine Augen störten ihn. Sie waren tiefliegend wie immer und genauso gelb wie das letzte Mal, als er sich im Spiegel betrachtet hatte. Die Therapie hatte also nicht angeschlagen. Was natürlich die Frage aufwarf, warum man ihn geweckt hatte.
„Wo sind Abe und Dr. Keller? Es war abgesprochen, dass die zwei bei meiner Erweckung vor Ort sind.“
„Ihr Bruder ist auf dem Schiff, aber er hat keine Zeit sie in Empfang zu nehmen. Er wird ihnen später die ganze Sachlage erläutern.“ Das klang ganz nach Abe. Erst etwas versprechen und dann abhauen.
„Alles klar. Und Patrick? Wo steckt der Tabaksack?“
Der Blick der Ärztin trübte sich, und ihre Stimme wurde zittrig. „Dr. Keller er...“
Noah verstand sofort. Er konnte sich denken, was passiert war.
„Der Krebs?“ Sie nickte und schluchzte leise.
„Vor einem halben Jahr. Wir dachten alle, er hätte es überstanden... und dann ist er einfach zusammengebrochen. Er hatte es gewusst, die ganze Zeit...aber niemand wusste etwas. Er muss es für sich behalten haben, um seinen Frieden zu haben...Ich konnte mich nicht einmal von ihm verabschieden!“
Noah konnte sie voll und ganz verstehen - Er wollte sich gar nicht erst vorstellen wie es wäre, wenn Abe auf diese Weise sterben würde. Es war schon seltsam. Das letzte mal, als er Patrick Keller gesehen hatte, hatte dieser noch Scherze darüber gerissen, dass er seinen Patienten wahrscheinlich noch überleben würde, trotz seines gesundheitlichen Zustandes. Auf einmal kam sich Noah ganz ungeschickt vor.
„Hören sie...“, er wusste nicht was er sagen sollte, „ich wollte nicht respektlos sein. Es ist nur, na ja, ich war mehr als zwei Jahre in Dauerstase und wollte so schnell wie möglich auf den neusten Stand kommen. Ich...ich wollte nicht respektlos sein.“
Sie winkte ab. Noah betrachtete die Ärztin eingehend. Die spitze Nase, die Sommersprossen, die blauen Augen...
„Sie sind also Saoirse? Dr. Keller hat immer viel von ihnen erzählt! Er war... sehr stolz auf sie.“
„Ich weiß. Darum hat er mir in seinem Testament ja auch ihren Fall übertragen. Ihm lag etwas an ihnen, Mr. Ford, es war sein letzter Wille, dass sie wieder gesund werden. Enttäuschen sie ihn also nicht!“ Noah legte ihr einen Arm auf die Schulter und blickte sie an. Dabei fiel ihm auf, dass sie sogar ein Stück größer war als er.
„Versprochen...Dr. Keller!“ Sie errötete.
„Was ist?“
„Ihre Kleidung...“
Er sah an sich herab. Zunächst fragte er sich, was denn mit seiner Kleidung nicht stimmen sollte, er hatte doch...
„...gar keine an.“ Natürlich, in Langzeit-Stase begab man sich immer ohne jegliche Klamotten, um auf längere Zeit Gewebeschäden zu vermeiden! Fast augenblicklich ließ er Dr. Keller los und sprang ein paar Schritte zurück.
„Nichts sagen.“, presste die Ärztin sichtlich peinlich berührt hervor. „Einfach etwas anziehen und dabei grade ihre RIG synchronisieren, okay?“
„Okay.“ Noah tat wie ihm geheißen und suchte den Schlafraum nach etwas zum anziehen ab. Er fand nichts – kein Wunder. Seine ganzen Sachen befanden sich wahrscheinlich immer noch auf der Sprawl, wo er sich schlafen gelegt hatte. Auch die Ärztin schien die Problematik zu erkennen.
„Kommen sie, im Zwischengang ist ein Shop, ich schicke ihrer RIG die Download-Codes fuer eine ATC-Suit.“, meinte sie, hielt sich aber noch immer eine Hand vor die Augen. Noah war heilfroh, das Thema wechseln zu können.
„Eine ATC? Warum sollte ich so etwas schweres benötigen?“ Als er das letzte mal ein solches Modell angehabt hatte, war er gerade dabei gewesen die Nebentriebwerke eines Shuttles zu reparieren. Im All schwebend.
Saoirse Keller öffnete die Tür zum Zwischengang und vergewisserte sich erst ob auch ja niemand in der Nähe wäre, bevor sie aus der Stasiskammer trat und ihm Antwort gab.
„Im bin im Moment von der Defence Force nicht autorisiert ihnen das zu sagen, aber ihr Bruder erzählt ihnen den Rest - Sobald sie in diesen kleinen Spalt hüpfen und sich von der Maschine eine Suit anlegen lassen.“
„Na hören sie mal, sie haben mich immerhin nackt gesehen, können sie mir den Gefallen nicht erwidern?“ Ihr eisernes Schweigen verriet ihm, dass der Scherz nicht allzu gut ankam. Er ging an das Interface des Shops und wählte den Anzug aus. Die Türen der Umkleidekabine öffneten sich mit einem metallischen schlagen.
„Außerdem,“ fuhr er nun wieder ernst fort und presste sich in die Kuhle, welche die automatische Umkleide für ihn vorsah, „wird mir Abe auch nicht mehr sagen können als sie, er ist nur Sergeant. Und als ich das letzte Mal gecheckt habe, waren die in der Hackordnung der EDF recht weit unten.“
„Sie haben das letzte Mal vor mehr als zwei Jahren `gecheckt`, inzwischen hat sich einiges geändert.“
„Aha, was denn zum Beispiel?“ fragte Noah, doch auf die Antwort musste er noch warten, denn kaum hatte er die Frage gestellt, schlossen sich die Türen des Shops und Dunkelheit umfing ihn. Er spürte für kurze Zeit extreme Hitze und wie etwas seine Haut abtastete, dann wurde es sehr hell und ein mechanischer Arm legte ihm ihn Rekordtempo seine Kleider an. Er hasste dieses Gefühl. Als er zum ersten Mal einen solchen vollautomatischen Umkleide betreten hatte war er fast ohnmächtig geworden. Die Türen öffneten sich wieder und er atmete laut auf.
„Na, leben sie noch?“ meinte Dr. Keller spöttisch.
„Lachen sie nur. Ich will sie mal erleben, wie sie mit Platzangst in ein solches Höllengerät reinsteigen.“
„Ich verzichte, aber danke für ihr Angebot. Sie sehen gut aus.“
„Danke, gleichfalls.“ gab Noah Antwort. Er besah sich seinen neuen Anzug. Ja, die ATC-Suit stand ihm wirklich gut. Im Grunde war es eine abgespeckte Version der Riot-Suits, welche die Leute von der Security immer trugen. Sie war nun einmal darauf ausgelegt, ihrem Träger gleichzeitig hohe Maßen an Agilität und Beweglichkeit zu gewährleisten, vor allem in engen Gängen und der Schwerelosigkeit, wo man Reparaturen durchführen musste und nötigenfalls schnell vom Platz weg musste. Ausserdem bot ihm der Anzug die Möglichkeit, Adrenalin und Noradrenalin zu verabreichen, sollte man in eine bedrängliche Lage kommen.
„Also,“ fuhr er fort. „Was hat sich denn zum Beispiel geändert?“
Dr. Keller schenkte ihm ihr schönstes und hämischstes Grinsen. „Naja, zum Beispiel ist Abraham Ford inzwischen Captain und befehligt die USM Nimrod wie auch ihre Tochterschiffe.“
Noah konnte nicht anders. Ihm fiel einfach die Kinnlade auf die Brust.
„Und bevor sie den Boden vollsabbern: Wir gehen in zwanzig Minuten auf Shock, also schaffen sie sich zu ihrem Bruder, bevor wir den Marsorbit verlassen! Folgen sie mir.“ Dr. Keller zwinkerte ihm zu und ging den Gang entlang. Und Noah, unwissend darüber, welcher Horror ihnen in den nächsten 10 Stunden bevorstehen würde, ging ihr nach.
Dead Space: Nimrod - Ch.1
Auch wenn ich ja der Meinung bin, dass Dead Space 3 nie passiert ist (Fuer mich endet der Kanon nach den zweiten Teil) hat es mich in den Fingern gejuckt, mal eine Fanfiction zu DS zu schreiben. Das Ergebnis ist das hier, eine Geschichte in fuenf Teilen (Plus den Prolog) ueber den Schwermechaniker Noah Ford, der sich an Bord des Zerstoerers USM Nimrod wiederfindet. Was im Prolog ganz langsam beginnt, weitet sich zu einem verzweifelten Ueberlebenskampf an Bord des groessten Kriegsschiffes der EarthGov aus. Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, dass es quasi ein Prequel zu Dead Space 3 ist, Asche auf mein Haupt :)

A short Story about a Heavy Duty Mechanic named Noah Ford, trying to survive a marker-outbreak on board of the USM Nimrod, biggest destroyer of her class. Basically a prequel to Dead Space 3, despite I personally don`t think DS3 is canon
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Enter the Void - Part I

21. Mai 1267
Der Boden unter Toms Hufen klatschte und rülpste, wie es aufgeweichte Erde nach einem Sommergewitter nun einmal tat. Es bereitete dem braun-weißen Mustang zusehends Mühen, über den morastartigen Waldboden zu laufen. Vesta fühlte mit ihm. Er mochte sich gar nicht erst vorstellen, wie es wohl wäre wenn er derjenige sei, der mit einem Hexer und dessen Gepäck auf dem Rücken einen durchweichten Waldweg entlangtraben müsste. Andererseits ging es auch dem Reiter nicht viel besser. Das Gewitter hatte sie vollkommen unvorbereitet und mitten auf der Straße getroffen, nichts außer dem wenigen Gepäck in den Satteltaschen war trocken geblieben. Und die nächste Siedlung war, wenn Vesta seiner letzten Auskunft vertrauen konnte, noch ein paar Meilen entfernt.
Das Gewitter war ebenso schnell vergangen, wie es gekommen war. Amadain, ein kleines Herzogtum Toussaints, teilte das warme Sommerwetter seines großen Bruders, die heftigen Stürme aber waren eine Eigenheit des Südens. Das Wetter nach dem Wolkenbruch tröstete den Hexer und sein Ross allerdings herzlich wenig. Warme Luft war eine Sache, pisswarme klamme Klamotten die andere.
Dazu kam auch noch, dass Vesta mehr oder weniger abgebrannt war. Seinen letzten Sold hatte der gebürtige Temerier vor anderthalb Monaten bekommen – für einen alterschwachen Hippokamp, der ohnehin in zwei Wochen das Zeitliche gesegnet hätte. Seitdem war ihm nichts über den Weg gelaufen, was sich hätte zu Geld verarbeiten lassen. Keine Harpye, kein Ghoul, kein gar nichts. Das musste man den Nilfgaardern lassen: Sie verstanden sich darauf, Frieden mit Gewalt zu schaffen.
Es war nicht so, als ob Vesta die Nilfgaarder nicht leiden konnte – er reiste bereits seit mehr als einer Dekade durch das Kaiserreich – sie waren ihm einfach zu gründlich. Schutz für Frau und Kind schön und gut, aber das massive einsetzen von Jägern und Soldaten war dem Hexergeschäft schlichtweg abträglich. Seit nun sechs Wochen lebte Vesta von seinen Ersparnissen, und die bewegten sich langsam aber sicher auf die Null zu. Es wurde höchste Zeit, wieder Geld zu verdienen, weshalb er sich dazu entschlossen hatte, wieder in den Norden zu gehen. Dort gab es immerhin Krieg, und wo Krieg war, waren Leichen. Tote Körper widerum bedeuteten Leichenfresser. Die Rechnung war zwar ekelhaft, ging aber auf. Vesta spuckte aus und gab dem Hengst sanft die Sporen.
„Auf Tom, stell sich nicht so an...“
Er handelte durchaus auch in Toms Interesse. Schließlich bezahlte er das Futter der beiden, und nicht andersrum. Außerdem wurde es Zeit,  die Sonne würde bald untergehen. Das Pferd beschleunigte und trug die zwei weiter in Richtung Norden.

Das Schild an der Hauptstraße war in der Dunkelheit selbst mit den Augen des Hexers kaum zu erkennen, aber die krakelige Schrift gab zwei Informationen Preis: Erstens hießen das Dorf vor ihm und das schmucke Schloss darüber beide Waidburg. Zweitens lebten hier, ein paar plötzliche Todesfälle und mehrere Geburten nicht mit gerechnet, in etwa 400 Menschen. Also ein großer Bottich rotes, je nach Anzahl der Bastarde des Herzogs blaues bis lilafarbenes Blut. Konnte ja Arbeit bedeuten.
Dem Nachtwächter blickten durch die Klappe im Tor zwei Paar schlecht gelaunte Augen entgegen. Zuerst meinte er verwundert sie gehörten einem Pferd und einem Kater, aber wie sich herausstellte, waren sie dann doch die eines Hexers. Wie seltsam die Welt doch war.
„Name, Grund des Aufenthalts und euer Ziel bitte“ meinte der Nachtwächter, nicht minder schlecht gelaunt. Wer klopfte denn bitte um diese Uhrzeit ans Stadttor? „In der Reihenfolge am besten.“
„Mein Name ist Vesta...“ antwortete Selbiger, und bevor der Nachtwächter antworten konnte, fügte er noch hinzu: „und nein, das ist kein Frauenname. Ich bin auf der Durchreise nach Norden, wäre aber auch ein wenig Kundschaft nicht abgeneigt.“
„Und euer Handwerk?“
„Hexer.“
Es wurde kurz still am Stadttor. Der Fremde wartete geduldig draußen und machte auch keine Anstalten das Gespräch wieder aufzunehmen, während der Nachtwächter etwas entrückt zu seinem Kumpel in der Wachstube hinüber sah. „Wartet einen Moment“ sagte er.
Hätte der Wächter gewusst, dass die Ohren des Hexers scharf genug waren um ihr Gespräch in der Stube mitzuhören, wäre er bei seiner Wortwahl etwas vorsichtiger gewesen. Doch diesen störte das nicht weiter. Er war Anfeindungen und Fremdenhass in jeglichen Ausmaßen gewohnt, und im Vergleich zum üblichen Schimpfvokabular drückten sich beide noch vergleichsweise höflich über ihn aus. Aus dem Moment wurden mehrere Minuten und als der Wächter die Klappe wieder öffnete, waren seine Lieder zu Schlitzen verengt. Die Brauen darüber, bauschig wie Kumulus-Wolken, stießen in der Mitte zusammen.
„Unter dem Vorbehalt euren Aufenthalt friedlich zu gestalten, dürft ihr Waidburg betreten...“
„Danke.“
„...aber ich warne euch!“ Die Stimme des Nachtwächters klang bedrohlich und knurrend, einem Hund nicht unähnlich. „Wenn ihr auch nur beim Furzen den falschen Ton trefft, knüpfen wir euch auf. Wir haben einen schönen Baum dafür.“
Der Hexer winkte ab „Ja, ich hab die Esche gesehen.“ Hatte er tatsächlich. Und die armen Kerle, die daran hingen.
„Dann kommt rein.“
Die Klappe schloss sich wieder und das Klappern von drei Riegeln brachte Vestas Trommelfell zum zittern. Zwei aus Holz, einer aus Metall, schätzte er.
Der zu dem Hexer linke Torflügel öffnete sich mit einem leichten ächzen. Vermutlich lag es nicht einmal am Gewicht der Tür – die Palisade um Waidburg war nur knapp acht Fuß hoch – sondern einfach an dem Holz, aus dem die Morschheit von zu vielen Dienstjahren schrie. Sobald der Spalt im Tor gerade groß genug für ein Pferd war, trabte Tom, von seinem Reiter an den Zügel nachgezogen, durch das Tor. Kaum war sein Schweif innerhalb der Ortsgrenze, schlug das Tor hinter ihm zu. Er wieherte leicht erschrocken und tänzelte unruhig auf der Stelle, gerade als wolle erk Vesta klarmachen, dass sie schnell weiter sollten. Dieser sah zunächst davon ab, seinen Mustang mit einem Zeichen zu beruhigen. Das hätte den Hengst zwar beruhigt, aber den zwei Kerlen aus der Wachstube hätte es sicher weniger gut gefallen. Beide trugen das schwarz der Nilfgaarder Garde, und mit jener war nicht zu spaßen. Doch auch Vesta zische leicht wütend Luft aus dem Mundwinkel. Es waren zwei Metallriegel und einer aus Holz, er lag also falsch. Der zweite Nachtwächter, der sich bisher noch nicht an ihn gewandt hatte, erklärte ihm den Weg.
„Wir haben nur eine Wirtschaft im Ort, das Alte Lager. Ihr könnt es eigentlich gar nicht verfehlen. Einfach geradeaus und um die Kurve da, dann seht ihr das Schild. Fragt sich nur, ob die welche wie euch da drinnen bedienen werden.“
„Habt Dank, die Herren.“ Bedankte sich der Hexer, nicht ohne eine Spur Spott in der Stimme. „Und eine ruhige Nacht.“
„Die hatten wir doch schon, bevor ihr aufgetaucht seit.“ ,grummelte der mit den Kumulusbrauen leise in seinen Bart hinein.
„Wie bitte?“ hob Vesta die Stimme an. Er spielte extra den Beleidigten, hauptsächlich um dem Gespann deutlich zu machen, wie gut sein Gehör war. Beide erbleichten.
„Nichts, gar nichts.“, hastete der erste schnell.
„Er hat euch nur ebenfalls eine gute Nacht gewünscht.“, hastete der zweite noch schneller.
„Na dann adieu.“ Verabschiedete sich der Neuankömmling von den Wächtern. Er wusste nicht warum, aber er kramte im gehen noch eine Kupfermünze aus der Börse und schnippte sie den beiden zu. In der Dunkelheit sahen sie das Geldstück nicht kommen und es flog dem mit den Augenbrauen voll ins Auge. Gejubel und Gefluchte waren das letzte, was Vesta und Tom je wieder von ihnen hörten.

21. Mai 1267
Die Sonne begann erst damit die Nacht vertreiben, als Vesta aus der Tür des Gasthauses trat. Er war dabei außergewöhnlich guter Dinge: Nicht nur, dass man ihn letzte Nacht gut bewirtschaftet und für einen Hexer sogar außergewöhnlich nett behandelt hatte, nein, er hatte zudem auch noch Arbeit gefunden. Einer der Kaufleute in der Stube hatte ihm sogar Arbeit aufgetragen. Die Summe die ihm dabei versprochen wurde war nun wirklich nichts Weltbewegendes, aber der Beutel Florin würde ausreichen um sich damit bis zur Grenze durchzuschlagen.
Tom war weniger gut gelaunt als sein Herrchen. Er schnaubte und war ungewöhnlich träge, und wieder konnte der Hexer sein Pferd vollends nachvollziehen. Ein Huftier braucht nun einmal mehr Schlaf als ein künstlich mutierter Monstertöter, vor allem nach einem Tag wie gestern. Doch am Ende beugte er sich trotzdem. Vesta führte seinen Freund noch an den Zügeln zur Mitte der Straße, dann saß er auf und ritt in Richtung Nordtor.
Die Wachen schliefen tief und fest, als das Duo die Palisade erreichte. Gerne hätte er die beiden, die ihrem Gesicht nach zu urteilen die Söhne des Brauenmanns von gestern Abend sein mussten, weiterschnarchen lassen. Aber da war diese kleine, dumme Sache namens Tor, und das wiederum durften nur die Wachen öffnen. Wer es trotzdem auf eigene Faust anging, so das Nilfgaardische Allgemeinrecht, bekam diese abgeschlagen. Darauf verzichtete Vesta gerne.
Die Wachen zuckten zunächst mit keiner Wimper, also räusperte sich der Hexer erneut. Diesmal mit einer Lautstärke, die selbst Tom wach werden ließ.
„Ich kenne euch,“ begrüßte ihn der Wächter zur Linken, „Ihr seit doch Hexer.“
„Ja, stimmt,“ unterstützte ihn der andere, „Wir haben euch gestern im Wirtshaus gesehen.“
Gut, das erklärte schon einmal warum die zwei so tief schliefen.
„Wo solls denn hingehen, wenn ich fragen darf?“ fuhr der zur Rechten fort.
„Arbeiten.“
„Ohhh!“ Die Augen der beiden weiteten sich. Vesta schätzte sie auf maximal fünfzehn Jahre. „Was werdet ihr denn jagen, Herr Hexer?“ Er schmunzelte. Es kam nicht oft vor, dass Leute seine Arbeit schätzten. Und wenn es auch nur zwei verkaterte Halbwüchsige waren.
„Der Kaufmann beschrieb das Wesen als „Groß, hundeartig und mit zu vielen Köpfen versehen. Außerdem von exorbitanter Hässlichkeit.“ Das dürfte auf irgendeinen Multicranien hinweisen, einen Cerberus Canis oder etwas in diese Richtung.“
Die Wächter schienen nicht sonderlich beeindruckt zu sein. „Ein Hund mit mehr als einem Kopf? Was ist daran denn so gefährlich?“
Vesta seufzte. „Eben alles. Drei Köpfe machen sechs Augen, drei Mäuler und 126 Zähne. Ab einer Schulterhöhe von zwei Fuß wird so etwas unangenehm.“
Nun schluckten die zwei laut – beinahe zeitgleich – und wechselten bedeutungsvolle Blicke. Wahrscheinlich waren sie Zwillingsbrüder. Sie machten sich daran die Riegel zurückzuschieben und das Tor zu öffnen, Tom trabte wieder los, sobald der Spalt groß genug war.
„Passt auf euren Kopf auf, Herr Hexer!“ bekam Vesta als Abschiedsgruß hinterhergerufen. „Und auf die des Hundes!“
„Das ist das tolle an diesen Dingern!“ erwiderte er lachend, „Sie verbluten, wenn man ihnen einen davon abschlägt!“
Und das Tor schloss sich hinter ihm.
Enter the Void - Part I [DE]
Erster Teil einer Witcher-Fanfiction um einen Hexer namens Vesta. Spielt ein paar Monate vor der schlacht um die Jaruga-brücke und ein paar Monate nachdem Geralt und die Hanse (Cahir, Regis, Angouleme, Milva) Bauclair und Toussaint verlassen haben. Fortsetzung folgt, viel spaß beim lesen^^
Die Preview soll übrigens ein Bild von Vesta sein und ist nicht von mir: nateyou.deviantart.com/art/Unt… Ursprünglich stellt sie Isaac Clarke aus Dead Space 2 dar


First Part of a Witcher-Fanfiction about a witcher named Vesta. Takes Place several months after geralt and his crew (Cahir, Regis, Angouleme, Milva) left Bauclair and Toussaint to find Ciri and a few Months before the battle of Jaruga-Bridge. To be continued, have fun^^
The Preview is supposed to be a picture of Vesta, but i don't own the picture. Here's a link to the original picture: nateyou.deviantart.com/art/Unt… Originally it's a picture of Isaac Clarke, as he appears in Dead Space 2
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:iconeinsamer-wanderer:
EINsamer-wANDERER Featured By Owner Mar 18, 2014  Hobbyist Writer

Hallo und herzlich Willkommen

bei :icondeutschedichter:

 

Wir wünschen dir viel Spaß.

Reply
:iconzebrabuntbarsch:
zebrabuntbarsch Featured By Owner Jan 5, 2013  Hobbyist General Artist
Hallo! Ich freue mich sehr, dass du mich auf deine Watchlist gesetzt hast <3
Reply
:iconsevenstepsaway:
SevenStepsAway Featured By Owner Jan 5, 2013
Kein Ding^^ Da will man eigentlich schon schlafen gehen, sieht sich noch kurz ein paar Bilder an, und wenn man das nächste Mal auf die Uhr schaut, ist schon halb 4. Man kann sich wunderbar in deinen Bildern verlieren, mach weiter so <3!
Reply
:iconzebrabuntbarsch:
zebrabuntbarsch Featured By Owner Jan 6, 2013  Hobbyist General Artist
Was für ein wunderbares Kompliment :heart: Ich verspreche auch, dass in ein paar Tagen neue kommen :>
Reply
:iconasahi-sensei:
Asahi-sensei Featured By Owner Nov 5, 2012  Student Artisan Crafter
thanks for the fav :3
gosh i wish i could say that in german but it has been a long time since i didn't spoke german. danke ? °3°
Reply
:iconsevenstepsaway:
SevenStepsAway Featured By Owner Nov 5, 2012
No prob, no prob :D!

Err..you see, there's no real german form of "favourite", that would fit. Just use

German version "Freut mich, dass dir mein Bild gefällt^^Dankeschön!"
English version: "Glad that you like my picture^^! Thanks!"

Hope I could help you!
Reply
:iconasahi-sensei:
Asahi-sensei Featured By Owner Nov 6, 2012  Student Artisan Crafter
aw.i see. i think french has the same problem ^^
yup, noted :3

thanks for the translation ^-^
Reply
:iconfabelisator:
Fabelisator Featured By Owner Nov 1, 2011
Unterwegs in Düsterburg dein bild :D das solche leute auf solchen seiten rumhängen naja eins der besten spiele
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